Monday, 16 October 2017

Träume aus dem Untergrund mit Denis Scheck

Denis Scheck in der SWR Fernsehen-Sendung 'Kunscht'

Der Beitrag jetzt auch auf youtube:
https://www.youtube.com/watch?v=pGBb5mDt8uw

Thursday, 12 October 2017

Wednesday, 11 October 2017

Buchbesprechung: DAS SCHWABENLAND ROCKT – Stuttgarter Zeitung



Die Rock-Geschichte des LandesAls das Schwabenland rocken lernte


Von Thomas Morawitzky 
Nach 1968 träumte Baden-Württemberg vom Untergrund. Jazz, Folk und Rock gediehen im Ländle. Ein neues Buch portraitiert den kulturellen Umbruch - am Montag feierte es im Theaterhaus Premiere.


Der junge Winfried Kretschmann (im Bild rechts) gehörte zum Umfeld der Riedlinger Popgruppe Power Play. Foto: Joachim Schlegel

Stuttgart - Man kann wirklich von einer Generation der Glückskinder sprechen“, sagt Werner Schretzmeier. Er ist heute Leiter des Stuttgarter Theaterhauses, war damals Leiter der Manufaktur in Schorndorf. Er spricht von jener Generation, die das Jahr 1968 und den kulturellen Wandel, der ihm folgte, bewusst und gestaltend erleben durfte. Christoph Wagner, Journalist, geboren 1956 in Balingen, hat ein Buch über diese Zeit und ihre Musik geschrieben. „Träume aus dem Untergrund: Als Beatfans, Hippies und Folkfreaks Baden-Württemberg aufmischten“, so heißt es. Erschienen ist es im Silberburg-Verlag Tübingen, vorgestellt wurde es am Montagabend im Theaterhaus.
Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann kam zu dieser Buchpräsentation, diskutierte mit Christoph Wagner, Werner Schretzmeier und dem Silberburg-Lektor Thorsten Schöll. Nicht ohne Grund: Kretschmann selbst war Teil der Szene, die im Buch beschrieben wird, wenn auch nur am Rande: „Ich war da eher ein Mitläufer“, sagt er. „Ich war sozusagen die politische Ausfransung der Musikbewegung. Bei manchen lief das Politische unter anderem, die haben Musik gemacht – bei mir war es umgekehrt. Ich bin sicherlich kein berufener Experte.“

Pink Floyd in Stuttgart bei den Filmaufnahmen 1969 zur Popmusiksendung 'P': Nach der Tortenschlacht gings durch die Autowaschstraße (Sammlung: W. Schretzmeier)


Ozzy Osbourne in Schorndorf

Christoph Wagner jedoch hat ein Buch geschrieben, das – aufwendig recherchiert und höchst informativ – nicht nur ein Bild der Musikszene im Lande, sondern auch ein Bild des Landes zeichnet. Frederic Rabold, damals schon aktiv in der baden-württembergischen Jazzszene, hat seine Band anlässlich der Präsentation dieses Buches neu formiert, spielt auf der Bühne des Theaterhauses, während Musiker und Publikum von einst auf der Leinwand vorübergleiten: Die Folkfreaks, die sich in Tübingen versammelten; die vielen kleinen Clubs, die regionalen Bands, die in ihnen auftraten; ihre britischen Vorbilder, die sich manchmal, noch auf der Schwelle zum Ruhm, in die süddeutsche Provinz verirrten. Pink Floyd , die mit Werner Schretzmeier Musikvideos drehten; Black Sabbath, die sich in den Schorndorfer Winterschnee warfen. Dass Ozzy Osbourne und seine Band dort landeten, war dem damals noch legeren Beziehungsgeflecht in der Musikszene geschuldet – und dem Zufall: „Schorndorf“, sagt Werner Schretzmeier, „lag auf dem Weg nach Birmingham.“

Wagners Buch erzählt viele Geschichten. Es erzählt von Rockgiganten aus dem Ausland, die in kleinen Hallen spielten, von den Rolling Stones, die in die Stuttgarter Messe kamen und die vor allem von Schretzmeier angegriffen wurden: Altamont war noch in guter Erinnerung, die Stones standen für Zynismus und Kommerz. In der Stuttgarter Messe kam es zum Eklat; die großen Rockkonzerte wurden fortan in Böblingen und Sindelfingen veranstaltet - bis in die 1990er Jahre hinein sollte das so bleiben.
Wagner widmet ihnen allen eigene Kapitel: Den Jazzern, die ersten Widerstand gegen die Konformität leisteten; den Clubs, die aus dem Boden schossen, in Schorndorf, Tübingen, Esslingen, Reutlingen, in vielen ländlichen Gemeinden; den Schwabenrockern Wolle Kriwanek und Schwoißfuaß; den zig Bands, die Beat und Krautrock spielten; der Reutlinger Initiative „Gig“, die ehrenamtlich Konzerte organisierte. In Tübingen rümpfte man derweil die Nase, wollte von Rockmusik nichts wissen, fand erst den Anschluss, als in der zweiten Hälfte der 1970er politisch motivierte Barden in der Universitätsstadt zusammenströmten.

Die kleinen Revolutionen auf dem Land

Eine studentische Bewegung, das war die neue Musikkultur jener Zeit nicht, erzählt Werner Schretzmeier: „Die Studenten hatten wir gefressen.“ Die Aktiven, sagt er, das waren junge Menschen, die in die Lehre gingen, ganz normale Dinge taten. Und draußen, auf dem Land, dort, wo die schwäbische Rockmusik spielte und jeder im Dorf bald wusste, was der andere am Abend zuvor getan hatte, fanden die wirklichen kleinen Revolutionen statt: „Da hatte man Zivilcourage schon nötig.“
Auch Schorndorf war ländlich: „Dort gab es viele Leute, die rechtschaffen ihrer Arbeit nachgingen, und die sich von Leuten, wie wir es waren, im höchsten Maße gestört oder auch bedroht fühlten.“ In Baden-Württemberg gab nur eine Partei den politischen Ton an: „Die haben sich immer als erste empört, und das war super!“ Heute spricht Schretzmeier in den wärmsten ­Tönen von der CDU. Die Reibung, sagt er, tat gut, war inspirierend: „Es war so einfach, dagegen zu sein. Wenn du irgendwas gemacht hast, wenn du bloß die Zunge rausgestreckt hast, dann warst du schon der König!“
Alles hat sich gewandelt. Am Montag sitzen viele, die mit dabei waren, im Theaterhaus und blicken zurück. Sie sind längst angekommen, haben die Gegenwart mitgestaltet. Die Zeiten zu vergleichen, sagt Schretzmeier, das sei vielleicht ein wenig ungerecht, jenen gegenüber, die diese Aufgabe noch vor sich hätten. Für Kretschmann indes sind die „Träume aus dem Untergrund“ noch ein Beleg für schwäbische Schaffenskraft, schwäbischen Charme: „Hier hat der große Umbruch nicht nur zu einer Konsumkultur geführt“, sagt er, „sondern auch zu einer Tätigkeitskultur.“ Die Bands aus dem Ländle, das waren für ihn die Mittelständler des Rock, des Jazz und des Folk: „Heute würde man sagen: Das waren die Start-ups der Musik.“
Christoph Wagner: Träume aus dem Untergrund. Als Beatfans, Hippies und Folkfreaks Baden-Württemberg aufmischten. Silberburg-Verlag, Tübingen. Gebunden, 180 Seiten. 24,90 Euro.

Tuesday, 10 October 2017

'Träume aus dem Untergrund' bei Denis Scheck im Fernsehen

„Träume aus dem Untergrund“ in KUNSCHT! mit Denis Scheck im SWR Fernsehen

Donnerstag, 12. Oktober 2017, 22:45
Sonntag, 15. Oktober 2017, 8:50
und danach in den Mediathek

Bei der Buchtaufe am 9. Oktober im Theaterhaus in Stuttgart wurde heftig gefilmt. Das Ergebnis ist in der Sendung 'KUNSCHT!' mit Denis Scheck im SWR Fernsehen zu sehen:




















Tuesday, 19 September 2017

AB SOFORT IM BUCHHANDEL ERHÄLTLICH!!!!!

TRÄUME AUS DEM UNTERGRUND 
ALS BEATFANS, HIPPIES UND FOLKFREAKS BADEN-WÜRTTEMBERG AUFMISCHTEN

AB SOFORT IM BUCHHANDEL ERHÄLTLICH!!!!!


Mich hat noch kein Exemplar in England erreicht, aber das Buch ist seit Montag, den 18. September im Buchhandel erhältlich. Erst Stimmen dazu gehen bei mir ein:

Saxofonist ERICH STANGL aus Lindau (bekannt von der Frederic Rabold Crew und dem Jazz Inspiration Orchestra) schreibt:

„Seit gestern halte ich Ihr neues Buch in Händen und freue mich über die stimmige Aufmachung.
Mit Fred Braceful habe ich schon vor Jahrzehnten in Lindau musiziert. Man glaubt es nicht !
Manfred Eicher (Labelchef von ECM) ist ja auch Lindauer. Scheint hier ein gutes Klima für Jazz zu sein ? Ich freue mich natürlich sehr, dass die Frederic Rabold Crew bzw. das Jazz Inspiration Orchestra mit Text und Bild gewürdigt werden.     Das hat sich Frederic nach Jahrzehnten wirklich verdient !“

Auch THOMMY BALLUFF (Muli & His Misfits, Exmagma, Fuckin' Gute Bürger Band) – auf dem Buchcover der Musiker ganz links, vor der Hammond-Orgel – meldet sich:

„Ich habe mir heute beim Wittwer ein Exemplar besorgt. Es ist wieder einmal ein ganz tolles, kompetentes und buntes Buch geworden. Absolut Klasse! “


AUS DEM INHALT:
So ein Krach! – Jazz, Beat, Soul und Blues im wilden Süden in den 60ern & 70ern |  Selten, seltener, selbstgemacht – Liedermacher und Folk | Die südwestdeutsche Underground- und Rockszene | Schorndorf: die heimliche Hauptstadt des Rock | Black Sabbath in der schwäbischen Provinz | Popkrawall – die Rolling Stones 1970 in Stuttgart | Pop und Protest in Tübingen | Pink Floyd und das 2. British Rock Meeting | Mir sind doch wer! – Spätzle-Blues und Schwoba-Rock


176 Seiten, 120 rare, teilweise farbige Fotos, 22,5 x 22,5 cm, gebunden,  24,90 Euro




Zombie Woof aus Reutlingen, Bombast-Rock mit Lightshow in den 1970ern (Promo Foto / Sammlung C. Wagner)





















Ray Charles in der Stuttgarter Liederhalle, 1971 (Foto: Jörg Becker)


AB SOFORT IM BUCHHANDEL ERHÄLTLICH!!!!!

Thursday, 14 September 2017

Buchbesprechung: Peter Kemper – Sgt. Pepper (Reclam)

Doppelte Geschwindigkeit oder rückwärts

Das epochemachende Album Sgt. Pepper von den Beatles wurde vor 50 Jahren veröffentlicht 

 Die Beatles kamen aus Liverpool, doch erst ihr Umzug nach London im Sommer 1963 löste eine kreative Explosion innerhalb der Gruppe aus, die 1967 auf dem Album „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band“ voll zur Geltung kam, was die Platte zu einem Meilenstein der Popgeschichte machte.

In der englischen Hauptstadt pulsierte 1967 eine vitale Popszene, die mit einen neuen Lebensgefühl einherging. Teenager kleideten sich anders, ließen sich die Haare wachsen, gaben sich lässig und exzentrisch und forderten die ältere Generation heraus. In Diskotheken wie dem “UFO” dröhnten elektrische Sounds zu zuckenden Lightshows. Pop flirtete mit der Avantgarde.

Die Beatles tauchten in diese vibrierende Szene ein. Mit George Martin hatten sie einen Produzenten zur Hand, der offen für die neuen Anregungen war. Schon auf den Alben „Rubber Soul“ (1965) und „Revolver“ (1966) hatte sich die Band mehr und mehr von den einfach gestrickten Beatnummern ihrer Anfangszeit entfernt. Für das Album „Sgt. Pepper“ entstanden immer raffiniertere Songs mit buntschillernden Arrangements und außergewöhnlichen Klangfarben, die die Möglichkeiten der Studiotechnik ausschöpften. Tonbänder wurden in doppelter Geschwindigkeit oder rückwärts gespielt, Vogelgezwitscher und Hundegebell eingeblendet, was manche Songs zu abenteuerlichen Klangcollagen machte.
 
Das Album wurde in den EMI-Studios in der Londoner Abbey Road aufgenommen. Fünf Monate arbeiten die Beatles mit George Martin daran. Im Vergleich: Ihr Debutalbum „Please Please Me“ hatten sie vier Jahre zuvor an nur einem einzigen Tag eingespielt. Neue Instrumente wie das Mellotron wurden herangezogen, auch exotische, die George Harrison aus Indien mitgebracht hatte. Dazu gab es Bläsersätze, Cellos, Geigen und Hörner plus eine Baß-Mundharmonika. Die Palette an Klangfarben kannte keine Grenzen.

Das Plattencover des Avantgarde-Künstlers Peter Blake war ebenfalls eine Sensation. Dort waren hinter den Beatles in bunten Uniformen, alle ihre Vorbilder und Idole als Pappkameraden aufgereiht. Das Cover gab der Veröffentlichung ein Gesicht und trug dazu bei, das „Sgt. Pepper“ zu dem epochemachenden Album wurde, als das es heute gilt.

Peter Kemper erzählt auf 100 Seiten die Entstehungsgeschichte der Einspielung auf kompetente Weise. Was man etwas vermißt, sind eigene Recherchen und Informationen aus ersten Hand. Vielmehr hat der Autor die mittlerweile Bibliotheken füllende Literatur über die Beatles und „Sgt. Pepper“ zusammengefaßt und solide dargestellt. 

Peter Kemper: Sgt. Pepper (Reclam)